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Macht KalorienzÀhlen Sinn?

Macht KalorienzÀhlen Sinn?

Wenn man sich mit dem Thema KalorienzÀhlen beschÀftigt, muss man sich zu Beginn folgende Fragen stellen:

  1. Macht das Sinn?
  2. Und was sind die Vor- und Nachteile von so einem Konzept?

Was ich ganz allgemein vom KalorienzĂ€hlen halte: Das hĂ€ngt stark von der Person ab, die ich berate und ob ich denke, dass es besser ist, hier offen ĂŒber Kalorien zu sprechen oder meine Berechnungen eher im Hintergrund durchzufĂŒhren und die Kalorien nicht zum Thema zu machen. Wenn man sein Ziel – Gewichtsverlust oder Muskelaufbau – erreichen möchte, zĂ€hlt die Kalorienaufnahme nun mal, das lĂ€sst sich nicht abstreiten. Manche Menschen sind darauf erpicht, dass man keine Kalorien zĂ€hlen sondern nur PortionsgrĂ¶ĂŸen empfehlen soll. In Wahrheit stellt einen beides vor das gleiche Problem, denn Empfehlungen fĂŒr PortionsgrĂ¶ĂŸen lassen sich nur ĂŒber den individuellen Kalorienbedarf genau angeben. Im Fall der PortionsgrĂ¶ĂŸen werden indirekt also wieder Kalorien verwendet, um Mengen zu definieren. Ob ich Kalorien oder Gramm angebe ist letztendlich egal – messen muss die betreffende Person so oder so, sei es nun nur auf der KĂŒchenwaage oder anhand einer App zum Kalorientracken.

Man kann auch so argumentieren, dass die Menschen einfach gesĂŒndere Lebensmittel, sprich mehr Obst und GemĂŒse, vollwertiges Getreide, NĂŒsse und Samen usw. auswĂ€hlen und in ihren Alltag integrieren sollten, um gesĂŒnder zu leben. Dem kann ich nicht widersprechen, allerdings weiß ich aus eigener Erfahrung, dass viele leider das Bewusstsein fĂŒr angemessene Mengen verloren haben. Immer wieder berichten mir Kunden, dass sie mit dem Ziel abzunehmen lange eine Low Carb-ErnĂ€hrung verfolgt haben, sich ihr Gewicht aber nicht verĂ€ndert hat. Bei genauerem Nachfragen erfĂ€hrt man dann, dass vermeintlich böse Lebensmittel wie Bananen oder anderes Obst (weil so viel Zucker) durch Alternativen wie NĂŒsse ersetzt wurden. Ersetzt man eine Banane mit knapp 100-120 g (ca. 111 kcal) durch ein 100 g-Packung NĂŒsse (ca. 700-800 kcal), kann es mit dem Abnehmen aber nicht klappen. Wenn die aufgenommene Menge an Kalorien die verbrauchte Menge ĂŒberschreitet, wird man immer Gewicht aufbauen, egal ob die Energie aus Kohlenhydraten, Fett oder Eiweiß kommt. Klingt ganz logisch? Ist es fĂŒr den Großteil der Bevölkerung, der sich nicht mit Lebensmitteln auseinandersetzt, aber nicht unbedingt, deshalb passieren solche Fehler.

Ich persönlich sehe Kalorien eher als Lernhilfe, um sich wieder ĂŒber Mengen bewusst zu werden. Wer nach einigen Wochen gelernt hat, zu welchen Lebensmitteln er in welchen Mengen greifen sollte, der kann Kalorien bewusst ignorieren, sobald er wieder ein GefĂŒhl fĂŒr PortionsgrĂ¶ĂŸen und Lebensmittelkombinationen aufgebaut und verinnerlicht hat.

Kilokalorien sind ein zweischneidiges Schwert – einerseits helfen sie unseren Bedarf im Auge zu behalten, andererseits kann die Konzentration darauf auch in obsessives KalorienzĂ€hlen ausarten. Deshalb gilt es fĂŒr uns ErnĂ€hrungsberater abzuwiegen, ob man mit einem Kunden ĂŒber Kalorien spricht oder nicht. Nach vielen Stunden an persönlichen GesprĂ€chen lernt man Anzeichen fĂŒr eine solche Obsession schnell zu erkennen und den Fokus der Beratung auf ein anderes Thema zu legen.

Kalorien auf Speisekarten oder dergleichen halte ich persönlich nicht fĂŒr nötig. Irgendwie fördert es das schlechte Gewissen, wenn man neben dem Schnitzel mit Kartoffeln „1100 kcal“ liest. Andererseits wĂ€re es vor allem auf gesĂŒndere Lebensmittel bezogen fĂŒr manche Menschen ein Augenöffner. Dass ein Schnitzel fĂŒr eine gesunde ErnĂ€hrung nicht optimal ist, weiß heutzutage jeder. Einem gesunden Smoothie aus Bananen, Cashewkernen, Spinat usw. traut man die enthaltenen 500-600 kcal schon weniger zu, damit ist er als Snack disqualifiziert.

Foto von Tangerine Newt on Unsplash

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